Nino de Angelo blickt auf ein Leben voller Höhen und Tiefen zurück – von ausverkauften Arenen bis hin zu Momenten, in denen er Pfandflaschen sammeln musste.
Ein Künstler zieht klare Grenzen

Nino de Angelo hat für sich eine Entscheidung getroffen, die sein Leben spürbar verändert. Der Schlagersänger macht heute nur noch das, was sich für ihn richtig anfühlt – ohne äußeren Druck, ohne ständige Erwartungen. „Ich lasse mir nicht mehr reinreden“, betont er selbstbewusst im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung. Zwar startet im April noch einmal eine Tournee, doch darüber hinaus hält sich der 61-Jährige bewusst zurück. Statt eines vollen Terminkalenders setzt er auf Ruhe, Klarheit und persönliche Freiheit.
Weniger Termine, mehr Selbstbestimmung

Dass seine Auftritte inzwischen deutlich seltener geworden sind, ist für Nino de Angelo kein Rückschritt, sondern ein bewusster Schritt nach vorn. Er brauche Zeit für sich, um seinen Interessen nachzugehen und Kraft zu sammeln. Die permanente Präsenz, das ständige Funktionieren – all das habe er hinter sich gelassen. Heute entscheidet er selbst, wann und wie er auf der Bühne steht. Nicht mehr der Markt bestimmt sein Tempo, sondern sein eigenes Gefühl.
Geld verliert an Bedeutung – Erfahrung gewinnt

Natürlich spiele Geld weiterhin eine Rolle, räumt der Sänger offen ein. Doch der Maßstab habe sich verändert. „Ich möchte keine Millionen mehr verdienen, aber schön leben können“, sagt er ehrlich. Nach zwei Insolvenzen weiß Nino de Angelo nur zu gut, wie schnell sich das Blatt wenden kann.
„Ich war reich, ich war pleite – ich habe alles durch“, fasst er sein Leben nüchtern zusammen. Es gab Zeiten, in denen ihm jede Tür offenstand. Und andere, in denen er Pfandflaschen sammeln musste, um sich ein paar frische Brötchen leisten zu können. Diese Extreme haben ihn geprägt.
Dankbarkeit statt Verbitterung

Gerade diese Erfahrungen machen ihn heute dankbar. Für Nino de Angelo ist Dankbarkeit keine Floskel, sondern eine bewusste Haltung. „Wenn man 61 Jahre alt ist und ins letzte Drittel des Lebens geht und so viel erlebt hat wie ich und dann keine Dankbarkeit empfindet, dann sollte man sich fragen, was los ist“, sagt er nachdenklich.
Besonders dankbar sei er dafür, dass er überhaupt noch hier ist – für sein Comeback, für die zweite Chance und für die Freiheit, selbst entscheiden zu dürfen. All das gebe seinem Leben wieder Sinn und Tiefe.
Ein Comeback nach eigenen Regeln
Das musikalische Comeback empfindet Nino de Angelo nicht als Triumph im klassischen Sinne, sondern als Geschenk. Nicht mehr höher, schneller, weiter – sondern ehrlicher, reduzierter, echter. Heute geht es ihm nicht darum, Erwartungen zu erfüllen, sondern sich selbst treu zu bleiben. Genau das unterscheidet sein jetziges Leben von früheren Phasen, in denen Erfolg und Druck oft Hand in Hand gingen.
Stolz auf den eigenen Weg
Am Ende steht eine Erkenntnis, die für ihn alles zusammenfasst. „Ich bin auch stolz auf mich, denn das traut sich nicht jeder“, gibt Nino de Angelo offen zu. Den Mut zu haben, loszulassen, Nein zu sagen und auf die eigene innere Stimme zu hören – das sei vielleicht seine größte Leistung.
Heute lebt der Schlagersänger nicht mehr für Zahlen, Schlagzeilen oder fremde Erwartungen. Er lebt für das, was er wirklich fühlt. Und genau darin hat er etwas gefunden, das ihm lange gefehlt hat: innere Ruhe.

