Peter Maffay hat in der ARD-Sendung „maischberger“ ein verblüffend offenes Bekenntnis abgelegt.
Abschied vom großen Rampenlicht – aber nicht von der Musik

Eigentlich hat Peter Maffay dem Musikbusiness längst Lebewohl gesagt. Zumindest dem, was man jahrzehntelang mit seinem Namen verband: große Hallen, monatelange Tourneen, endlose Reisetage. Damit ist Schluss. Der 76-Jährige tritt nur noch vereinzelt auf – bevorzugt in der Nähe seines Wohnorts. Auch im kommenden Sommer sind kleinere Konzerte geplant, bewusst reduziert, fernab des früheren Mammutprogramms. Und doch zeigt sich: Ganz loslassen kann Maffay nicht. Die Musik ist geblieben, leiser vielleicht, aber unverrückbar. Parallel dazu richtet sich sein Blick immer stärker auf Themen, die über Bühnen und Charts hinausgehen – auf die Welt, ihre Krisen und ihre Zukunft.
Optimismus als Pflicht gegenüber den nächsten Generationen

Wenn Peter Maffay über die aktuelle Weltlage spricht, schwingt Nachdenklichkeit mit. „Ich bin optimistisch, aber es fällt mir immer schwerer“, sagt er offen. Am Dienstagabend ist er zu Gast bei Maischberger, moderiert von Sandra Maischberger. Dort richtet er einen eindringlichen Appell an Politik und Gesellschaft: „Die kommenden Generationen haben ein Recht darauf, dass wir noch Optimismus besitzen.“
Diese Haltung ist für ihn keine Floskel. Maffay ist Vater zweier Kinder im Alter von sieben und 22 Jahren – ein Umstand, der seinen Blick auf politische und gesellschaftliche Entwicklungen spürbar geschärft hat.
Klima, Konflikte und eine wachsende Frustration

Gerade deshalb informiert sich Maffay intensiv, hört viel Radio, verfolgt Debatten. „Es ist wichtig für mich, ein Gespür dafür zu bekommen, wohin uns die Reise in den nächsten Jahren führt“, erklärt er. Besonders frustriert ihn die mangelnde Bereitschaft vieler Menschen, notwendige Regeln für die Zukunft zu akzeptieren. Vor allem die Klimadebatte treibt ihn um. „Wenn das einmal wegrutscht und wir diese Grenze von 1,5 Prozent überschreiten, und wir sind gerade dabei, dann gibt es kein Zurück mehr“, warnt er. Die Folgen für Welternährung, Migration und globale Stabilität seien gravierend. „Dagegen ist das, was wir jetzt diskutieren, eine Bagatelle.“
Kein neues Thema für Maffay: Bereits 1982 setzte er mit dem Song Eiszeit ein deutliches Umweltzeichen.
Autokraten, Dynamiken und verlorenes Vertrauen

Neben dem Klima beunruhigen ihn internationale Konflikte und autokratische Machtpolitik. Auch hier erkennt Maffay gefährliche Parallelen. „Wenn eine Dynamik einmal stattgefunden hat, ist sie nicht ohne Weiteres beherrschbar“, sagt er. Das Gefühl, dass sich Prozesse verselbstständigen, frustriert ihn besonders. „Ich dachte, wir Menschen wären zu anderen Leistungen in der Lage als so etwas.“
Diese Enttäuschung zieht sich durch viele seiner Aussagen – nicht resigniert, sondern mahnend. Für Maffay geht es um Verantwortung, Weitsicht und darum, aus der Geschichte zu lernen, bevor Entwicklungen unumkehrbar werden.
Wehrdienst, Frieden und politische Nähe

Auch zur Debatte um die Wiedereinführung des Wehrdienstes äußert sich der Musiker differenziert. Er habe sich immer für Abrüstung eingesetzt, sagt aber heute: „Einen Dienst an der Gesellschaft zu leisten, in der man lebt, ist legitim.“ Entscheidend sei jedoch das Wie. „Es aufzuoktroyieren und es mit Druck zu machen, ohne die Argumente von Jugendlichen zu hören, ist nicht sinnvoll.“
Politisch solidarisiert sich Maffay mit Sahra Wagenknecht, die er über Oskar Lafontaine kennengelernt hat. „Ich solidarisiere mich mit denjenigen, die Frieden nach wie vor als einen sinnvollen Begriff betrachten.“ Frieden sei die Grundlage aller Werte – ohne ihn verliere alles andere an Bedeutung.
Zwischen Entfremdung und Hoffnung – und die Musik bleibt

Von der SPD hat sich Maffay inzwischen entfremdet. „Ich habe die SPD lange gewählt, aber jetzt habe ich Schwierigkeiten damit.“ Sie sei keine echte Volkspartei mehr. Auch zur AfD findet er klare Worte: Argumente und Vorbildfunktion seien der einzige Weg, gesellschaftliche Balance zu bewahren.
Trotz aller politischen Sorgen bleibt eines konstant: die Musik. „Das ist wie Essen und Trinken. Darauf kann und will ich nicht verzichten.“ Große Tourneen mögen Vergangenheit sein – doch Peter Maffay hat sich nicht verabschiedet. Er hat nur den Fokus verändert. Und genau das macht seine Stimme heute vielleicht wichtiger denn je.

