Stefanie Hertel überrascht mit einer schonungslos offenen Kindheitsbeichte.
Eine Kindheit fern von Glamour
Heute ist Stefanie Hertel aus der deutschen Musiklandschaft nicht wegzudenken. Doch ihr Weg begann alles andere als komfortabel. Schon ihr Vater Eberhard Hertel war in der DDR ein bekannter Volkslied-Star. Trotzdem blieb das Familienleben bewusst schlicht und bodenständig.
Aufgewachsen ist Stefanie in ihrer vogtländischen Heimat unter Bedingungen, die man sich heute kaum vorstellen kann. Kein Luxus, kein Star-Alltag – sondern ein Leben, das von Einfachheit geprägt war. Gerade diese Zeit hat sie bis heute tief geformt, auch wenn sie rückblickend fast unglaublich klingt.
Kälte, Plumpsklo – und trotzdem Geborgenheit

In einem Podcast sprach die Sängerin offen über ihre frühen Jahre. „Ich bin aufgewachsen in einem uralten Haus, ohne Heizung, mit Plumpsklo“, erzählte sie über ihre Kindheit. Was für viele nach Entbehrung klingt, verbindet Stefanie nicht mit Bitterkeit.
Sie erinnert sich sogar an eisige Nächte: „Im Winter war es so kalt in meinem Schlafzimmer, da war Reif auf der Bettdecke.“ Und doch folgt sofort der entscheidende Satz: „Das war aber eben so. Meine Kindheit war trotzdem schön.“
Diese Gelassenheit zeigt, wie sehr sie gelernt hat, das Positive zu sehen – selbst in harten Umständen.
Mauerfall, Neuanfang und ein kometenhafter Aufstieg
Als Stefanie zehn Jahre alt war, fiel die Mauer. Mit elf erlebte sie die Wiedervereinigung – ein historischer Einschnitt, der auch ihr persönliches Leben veränderte. Für sie bedeutete diese Zeit den Startschuss für eine gesamtdeutsche Karriere.
Schon früh machte sie auf sich aufmerksam. 1991 stand sie beim Grand Prix der Volksmusik auf der Bühne, ein Jahr später folgte der große Durchbruch. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus dem Mädchen aus dem Vogtland ein gefeierter Volksmusikstar. Die alte Grenze zwischen Ost und West spielte für sie kaum noch eine Rolle – zumindest auf der Bühne.
Ost und West – eine Grenze im Kopf?

Dass selbst Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung noch Unterschiede gemacht werden, beschäftigt Stefanie bis heute. Sie kann diese Trennung nicht nachvollziehen. „Ich finde es immer schade, wenn da so gewisse Vorurteile dann bestehen und wenn man immer noch so diese krasse Grenze sieht“, sagt sie offen.
Für sie selbst war die Trennung schnell überwunden. Musik kannte keine Himmelsrichtungen, sondern nur Menschen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sie sich immer als verbindendes Element verstanden hat – zwischen Regionen, Generationen und Lebenswelten.
Liebe, Bayern und ein neues Zuhause
Auch privat führte ihr Weg bald in den Westen. Durch die Beziehung zu Stefan Mross zog es Stefanie nach Bayern. Bereits seit den 1990er-Jahren lebt sie im Chiemgau – und fühlt sich dort längst zuhause.
„Ich habe da auch wirklich tiefe Wurzeln geschlagen und wohne in einem wundervollen Dorf mit wundervollen Menschen, mit ganz tollen Nachbarn“, erzählt sie. Heute lebt sie dort mit ihrem Mann Lanny Lanner, auch Tochter Johanna wohnt ganz in der Nähe. Ein Leben, das Ruhe ausstrahlt – fernab vom Trubel.
Zwei Herzen, eine Identität
Trotz aller Verbundenheit mit Bayern bleibt eines unverändert: das Vogtland ist und bleibt Heimat. Das bewies Stefanie erst im vergangenen Jahr mit einem großen Jubiläums-Open-Air in ihrer Herkunftsregion.
Ihre Gefühle fasst sie in einem Satz zusammen, der viel über sie verrät: „Ich sag immer ich hab in meiner Brust zwei Herzen schlagen. Das eine natürlich das Herz, das für meine Heimat, das Vogtland, schlägt, und zum anderen aber dann dieses Herz, das nun schon so lange in Bayern lebt.“
Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Ost und West – Stefanie Hertel hat beides zu einem Ganzen gemacht.

