Ein 86-jähriger Rock-’n’-Roll-Veteran wirbelt die brave Schlagerwelt auf – und nennt ihre größten Hits kurzerhand „Kartoffelmusik“. Warum Peter Kraus’ Wutrede so einschlägt, enthüllt unsere Slideshow.
Deutliche Worte im „Kölner Treff“

Peter Kraus nimmt kein Blatt vor den Mund. In der WDR-Talkshow Kölner Treff sprach der 86-Jährige offen über seinen Unmut gegenüber der heutigen Schlagerlandschaft.
Seine Kritik fällt deutlich aus – und dürfte nicht jedem gefallen. Kraus vermisst Tiefgang, Ecken und Kanten. Stattdessen dominieren aus seiner Sicht gute Laune, einfache Refrains und stampfende Beats.
Für einen Künstler, der seit den 1950er-Jahren auf der Bühne steht, ist das ein bemerkenswert klares Statement. Und eines, das eine Debatte über Qualität und Anspruch im Schlager neu anstoßen könnte.
„Mir ist das alles zu lustig“
Im Gespräch formulierte Kraus seine Kritik unmissverständlich: „Mir ist das alles zu lustig, zu tralala und immer nur auf Stimmung.“
Ihn störe, dass viele Produktionen kaum noch Raum für Zwischentöne lassen. Auch die „dauernde Basstrommel“ sei ihm zu viel. Bereits zuvor hatte er gegenüber „Zeit Online“ moderne Hits als „Bumsdibumsdi-Schlager“ oder sogar „Kartoffelmusik“ bezeichnet – Musik, „zu der man die Kartoffeln stampfe“.
So weit geht seine Abneigung, dass er im Auto lieber dem Motorgeräusch lauscht, als aktuelle Radiosongs zu hören.
Sehnsucht nach mehr Tiefe
Was Kraus besonders fehlt, ist emotionale Substanz. Er kritisiert, dass viele Künstler primär auf eingängige Rhythmen und sofortige Partystimmung setzen.
Dabei steht er selbst für eine andere Ära des Schlagers – eine Zeit, in der Rock’n’Roll, Charme und Melodie miteinander verschmolzen. Seine Worte sind daher nicht nur Kritik, sondern auch Ausdruck einer Generation, die Musik anders erlebt hat.
Ob seine Aussagen als nostalgisch oder als berechtigt empfunden werden, dürfte vom Standpunkt des Publikums abhängen.
Und trotzdem: Comeback geplant
Trotz aller Kritik an der Branche blickt Kraus nach vorne. Mehrfach hatte er Abschiedstourneen angekündigt – nun folgt die nächste Rückkehr.
Im „Kölner Treff“ sagte er schmunzelnd: „Ich hab‘ sieben Abschiedstourneen gemacht und wollte eigentlich nichts mehr machen und jetzt ist wieder eine nächstes Jahr.“
Die Bühne bleibt für ihn Antrieb und Lebenselixier – auch mit 86 Jahren.
Gemeinsam mit Sohn Mike

Die neue Tour soll gemeinsam mit seinem Sohn stattfinden. Anlass ist der Song „Für immer vereint“, initiiert von Mike.
„Ich freue mich immer, etwas mit dem Papa zu machen“, erklärte dieser. Der Titel setzt sich mit Abschied und Vergänglichkeit auseinander – Themen, die Kraus zuletzt offen angesprochen hatte.
Mike beschreibt die Botschaft so: „Wir haben alle ein bisschen Angst vor dem Thema, aber wenn man sich damit auseinandersetzt, dann passiert eigentlich das Gegenteil, dass man bewusster lebt.“
Ein Ziel vor Augen
Für Peter Kraus ist das Projekt mehr als nur ein weiteres Konzert. „Ich muss ein Ziel vor Augen haben.“
Diese Haltung scheint sein Geheimnis zu sein. Trotz kritischer Töne über die Branche bleibt seine eigene Leidenschaft ungebrochen.
Vielleicht liegt genau darin die Pointe: Während er moderne Schlager als „Kartoffelmusik“ abtut, beweist er selbst, dass Musik mehr sein kann als reine Stimmung – nämlich Lebensaufgabe, Ausdruck und Verbindung zwischen Generationen.

