Am Tag nach der Ausstrahlung von „Tatort: Sashimi Spezial“ kocht das Netz – kaum ein Sonntagskrimi hat in jüngster Zeit derart wütende Reaktionen ausgelöst. Schon in den frühen Morgenstunden häuften sich Kommentare, in denen Zuschauerinnen und Zuschauer das Format als „längst überholt“ und „nicht mehr tragbar“ bezeichneten.
Ein Thema, das jeden betrifft – aber der Krimi zündet nicht

Der neue „Tatort“ wollte mehr sein als nur ein klassischer Sonntagskrimi. „Sashimi Spezial“ nahm sich ein gesellschaftlich relevantes Reizthema vor: den täglichen Konflikt zwischen Auto und Fahrrad – inklusive Platzkampf im Straßenverkehr, Aggressionen und einer Szene, die sich längst als eigenes Milieu versteht.
Für Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) war es bereits der 83. Fall – Routine also? Eigentlich schon. Doch genau das ist der Punkt: Während Odenthal wie gewohnt ermittelt, stapelt die Episode immer neue Ideen obendrauf. Und für viele Zuschauer wurde es am Ende einfach zu viel.
Schon früh tauchten in den Reaktionen Sätze auf, die selten freundlich klingen. Und manche Leser berichten sogar, sie hätten mitten im Film aufgegeben.
Undercover bei Fahrradkurieren – und plötzlich wird es für viele „zu ausgedacht“

Neben Odenthals Ermittlungen passiert im Film etwas, das für den Plot entscheidend sein soll: Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) schleicht sich spontan undercover unter eine Gruppe von Fahrradkurieren. Sie landet mitten im Umfeld der sogenannten „Velopunks“ – und damit im Kern der Geschichte.
Doch der Krimi setzt noch einen drauf: Am Ende ist sogar Polizeichef Kurt Breising (Bernd Hölscher) in die Machenschaften involviert. Diese Mischung aus Undercover-Aktion, Milieu-Drama und interner Verstrickung sollte wohl Spannung erzeugen – bei vielen kam jedoch genau das Gegenteil an.
t-online-Leser Holger Göschel schrieb drastisch: „Ich habe nach 45 Minuten abgeschaltet. Einfach lächerlich und langweilig.“ Und er fragte: „Wer denkt sich so was aus?“ Sein Fazit fällt zusätzlich bitter aus: „Allerdings werden fast alle ‚Tatort‘-Filme immer schlechter.“
„Eigentlich ganz gut“ – bis das Finale alles kippen lässt

Nicht jeder Zuschauer stieg sofort aus. Klaus Batzoni beschreibt, dass er zunächst sogar angetan war. Doch dann kommt der Punkt, an dem seine Stimmung kippt – und das liegt aus seiner Sicht ganz klar am Schluss.
Er schrieb: „Eigentlich fand ich den Film insgesamt ganz gut, bis das Ende wieder alles zerstörte.“ Besonders stößt ihm die Logik auf: „Alles sehr unlogisch, das Tablet mit allen Daten war vorhanden, warum kommt der Polizeichef mit so fadenscheinigen Argumenten durch?“ Am Ende steht sein Urteil wie ein Schlag: „Eine Farce!“
Damit wird sichtbar, was viele an „Sashimi Spezial“ stört: Nicht unbedingt einzelne Szenen – sondern das Gefühl, dass die Geschichte am Ende nicht zusammenpasst. Und genau dieser Eindruck taucht in weiteren Zuschriften immer wieder auf.
Auch die SchlagerPlanet-Leserschaft zeigt sich deutlich zufriedener als auf anderen Plattformen. Maggy Bo schrieb: „Endlich mal wieder ein ‚Tatort‘, den man von Anfang bis Ende schauen konnte.“
„Abfolge verwirrend“ – „Ende unrealistisch“ – und dann kommt die Note 4

Auch Ulrich Köster fand keinen Zugang zur Folge. Er kritisierte die Struktur und den Schluss: „Abfolge teilweise sehr verwirrend. Das Ende war total unrealistisch.“ Seine Bewertung ist entsprechend nüchtern: „Note für diesen ‚Tatort‘: eine glatte 4.“
Helmut Göss formuliert es noch kürzer, aber nicht weniger deutlich: „So ein Quatsch. Selten so einen seichten ‚Tatort‘ gesehen.“ Und t-online-Leser Ralf Thomese legt nach: „Dieser ‚Tatort‘ war ausgesprochen schlecht. Völlig abwegig und außerhalb jeglicher tatsächlicher Polizeiarbeit und realitätsfremd.“
Damit nicht genug: Er kritisiert zusätzlich „entsetzlich schlechte schauspielerische Leistungen“ und findet, es spotte jeder Beschreibung, „dass so etwas mit öffentlich-rechtlichen Mitteln bezahlt wird“. Sein Schluss ist maximal hart: „Bei dieser Qualität des Films sollte man dieses Sendeformat absetzen.“
SchlagerPlanet-Leser empfanden die schauspielerische Leistungen dafür viel besser. So teilte Ilona Gehrke: „Endlich mal wieder ein ‚Tatort‘ mit Ukrike Folkerts. Ich sehe sie immer sehr gerne.“
„Zu unwahrscheinlich“ – und dann wird’s grundsätzlich: „Polizisten sind Beamte. Punkt.“

Falk Koenemann schreibt, dass er nach 30 Minuten abgeschaltet habe – obwohl er „sonst eigentlich jeden ‚Tatort’“ sehe. Sein Hauptkritikpunkt: Die Handlung sei zu konstruiert, zu unrealistisch, zu sehr „ausgedacht“.
Er begründet: „Es war zu unwahrscheinlich und zu ‚ausgedacht‘, dass einerseits die junge Polizistin durch Zufall undercover ermittelte und andererseits ihre Chefin Odenthal, die sie deckte, die Erlaubnis von ‚oben‘ nicht hatte.“ Dann folgt sein harter Schlusssatz: „Polizisten sind Beamte. Punkt.“
Kein neuer „Tatort“ – dafür „Polizeiruf 110“ mit brisantem Fall

Auch aus Quotensicht war „Tatort: Sashimi Spezial“ am Sonntag nicht der Tagessieger – was im Text jedoch mit der aktuellen Weltlage verknüpft wird: Nach „Tagesschau“ und einem „Brennpunkt“ zum Krieg in Nahost hätten um 20.30 Uhr viele offenbar abgeschaltet oder umgeschaltet. Platz drei gehörte dem „Tatort“ dennoch.
In dieser Woche zeigt das Erste keinen neuen „Tatort“. Stattdessen dürfen sich Krimifans auf einen „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg freuen. Claudia Michelsen ermittelt als Hauptkommissarin Brasch im Fall „Your Body My Choice“ – nach einem tödlichen Fahrradunfall. Die Tote war Arzthelferin in einer Frauenarztpraxis, die auch Schwangerschaftsabbrüche vornimmt.
Heißt: Fahrrad-Konflikt bleibt Thema – aber die Tonlage dürfte eine völlig andere werden.

