Muriel Baumeister spricht jetzt so offen wie nie zuvor über ihre langjährige Alkoholsucht – und warum ausgerechnet ein Gefühl von Normalität sie fast das Leben gekostet hätte.
Muriel Baumeister spricht über ein Kapitel, das lange im Verborgenen lag

Muriel Baumeister kennen viele Zuschauer aus Serien wie „Ein Haus in der Toscana“ oder „Die Spreewaldklinik“. Jetzt zeigt sich die Schauspielerin von einer Seite, die deutlich persönlicher und verletzlicher ist als jede Rolle. In dem Talkformat „Wendepunkte“ des Potsdamer Selbsthilfevereins SEKIZ e. V. spricht sie offen über ihre frühere Alkoholabhängigkeit – und über eine Zeit, die ihr Leben Schritt für Schritt aus der Kontrolle geraten ließ.
Dabei bleibt sie nicht bei allgemeinen Formulierungen, sondern nennt die Dinge überraschend direkt. Was für Außenstehende oft unsichtbar bleibt, beschreibt sie mit einer Offenheit, die hängen bleibt. Denn Baumeister macht klar: Ihre Geschichte begann nicht plötzlich mit einem Zusammenbruch oder einem Skandal. Vielmehr war es ein schleichender Prozess, der lange Teil ihres Alltags wurde – so sehr, dass sie ihn selbst irgendwann kaum noch hinterfragte.
„Ich habe mein Leben lang getrunken“

Schon früh spielte Alkohol in ihrem Leben offenbar eine Rolle. Rückblickend formuliert Muriel Baumeister das mit erschütternder Klarheit: „Ich habe mein Leben lang getrunken.“ Was zunächst vielleicht noch gelegentlich wirkte, veränderte sich mit der Zeit immer stärker.
Besonders gefährlich wurde es aus ihrer Sicht dann, wenn das Trinken nicht mehr an Gesellschaft oder besondere Anlässe gebunden war. Der Punkt, an dem man beginne, allein zu trinken und sich Gedanken darüber mache, ob noch genug Alkohol im Haus sei, markiere eine Grenze. Genau dort werde aus Gewohnheit etwas, das nicht mehr harmlos ist. Diese Entwicklung schildert sie nicht abstrakt, sondern so, als habe sie jeden einzelnen Schritt dorthin noch genau vor Augen. Und je weiter sie davon erzählt, desto deutlicher wird, wie extrem die Lage zeitweise gewesen sein muss.
Zehn Gin Tonic – und kaum eine Wirkung

Im Gespräch erinnert sich Muriel Baumeister auch an Trinkmengen, die selbst für sie heute kaum noch fassbar sein dürften. Sie sagt: „Ich war mal mit Freunden unterwegs, da habe ich zehn Gin Tonic getrunken, ohne nennenswerte Auswirkungen. Für normale Leute unvorstellbar.“ Genau dieser Satz zeigt, wie sehr sich ihr Körper offenbar an den Konsum gewöhnt hatte.
Doch die Folgen blieben nicht aus. Die Schauspielerin berichtet von einer dauerhaften Magenschleimhautentzündung und einem Alltag, der von Übelkeit und weiterem Trinken geprägt war. „Jeden Morgen habe ich mich übergeben, aber danach trotzdem direkt wieder Alkohol, meistens Weißwein, in mich reingeleert.“ Diese Schilderung macht deutlich, wie tief sie damals bereits in der Abhängigkeit steckte. Und trotzdem sollte erst ein öffentlich bekannter Vorfall vielen zeigen, wie ernst die Situation wirklich war.
Der Vorfall von 2016 wurde bundesweit bekannt

Im Oktober 2016 geriet Muriel Baumeister durch eine Alkoholfahrt in die Schlagzeilen. Mit 1,4 Promille war sie unterwegs und streifte beim Einparken eine Leitplanke. Verletzt wurde zwar niemand – doch im Auto saß ihre Tochter. Gerade dieses Detail macht den Vorfall bis heute besonders erschütternd.
Rückblickend beschreibt Baumeister das vielleicht Beunruhigendste an diesem Moment so: „Ich habe mich normal gefühlt und das war eigentlich das Schlimme.“ Genau darin lag offenbar die Gefahr. Nicht im Gefühl des Kontrollverlusts, sondern darin, dass sie ihn in diesem Zustand selbst nicht mehr wahrnahm. Für viele dürfte genau dieser Satz ein Schlüsselmoment sein, weil er zeigt, wie trügerisch Sucht sein kann. Trotzdem war selbst dieser Vorfall offenbar noch nicht der letzte Wendepunkt.
Die Rettung kam durch eine Freundin – und durch einen harten Schnitt

Heute lebt Muriel Baumeister nach eigenen Angaben seit fast zehn Jahren alkoholfrei. Der entscheidende Auslöser für ihren Ausstieg kam ausgerechnet nicht durch die Öffentlichkeit, sondern durch eine enge Freundin, die Ärztin ist. Sie sprach sie direkt auf ihr Verhalten an und zog eine klare Grenze. Baumeister erinnert sich an den Satz: „Ich gucke mir das nicht mehr an!“
Nach zwei erfolglosen Entzügen ging sie im Oktober 2017 einen drastischen Schritt: Sie ließ sich in die geschlossene Psychiatrie der Berliner Charité einweisen. Diese Zeit sei für sie schrecklich gewesen, habe ihr am Ende aber geholfen, endgültig mit dem Alkohol zu brechen. Vollständig verschwunden sei die Gefahr jedoch nicht. Auch heute klingt bei ihr durch, dass Sucht kein Thema ist, das man einfach „erledigt“ und dann hinter sich lässt.
Warum sie den Umgang der Branche bis heute kritisch sieht

Neben ihrer persönlichen Geschichte spricht Muriel Baumeister auch über etwas, das sie bis heute wütend oder zumindest nachdenklich macht: den unterschiedlichen Umgang mit Alkoholproblemen in der Branche. Besonders als Frau habe sie eine andere Bewertung erlebt als männliche Kollegen.
Ihre Kritik formuliert sie deutlich: „Männer können sich zu Tode saufen – ich will jetzt keine Namen nennen –, die flechten dann werbewirksam einen Korb und dann war es das. Als Frau in der Branche war es ein No-Go.“ Damit spricht sie nicht nur über ihre eigene Vergangenheit, sondern auch über doppelte Maßstäbe. Am Ende bleibt von ihren Aussagen deshalb mehr als nur ein persönliches Bekenntnis. Es ist auch ein schonungsloser Blick auf Sucht, Scham und darauf, wie unterschiedlich darüber geurteilt wird – je nachdem, wer betroffen ist.

