Roland Kaiser steht seit Jahrzehnten für große Gefühle, große Refrains und Texte, die oft bewusst mit Andeutungen spielen. Genau dort setzt jetzt ausgerechnet Ingo Appelt an – und spart mit seiner Kritik nicht.
Zwischen Kultstatus und Provokation

Ingo Appelt sorgt mit einem Bühnenprogramm über bekannte Schlager für Lacher – und ausgerechnet Roland Kaiser spielt dabei eine zentrale Rolle. Der Comedian schaut sich mehrere Songtexte des Schlagerstars genauer an und fragt, wie diese Zeilen heute wohl ankommen würden.
Dabei geht es um Klassiker, die Millionen Fans kennen. Doch Appelt betrachtet sie mit dem Blick der Gegenwart und kommt zu dem Schluss: Manche Formulierungen würden heute vermutlich deutlich mehr Diskussionen auslösen.
Besonders spannend ist, dass Appelt Roland Kaiser nicht einfach nur verspottet. Vielmehr nutzt er die Texte, um humorvoll zu zeigen, wie sehr sich gesellschaftliche Maßstäbe verändert haben.
Zwei SPD-Mitglieder mit ungewöhnlicher Verbindung

Ingo Appelt und Roland Kaiser verbindet mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Beide sind SPD-Mitglieder und begegnen sich nach Angaben des Comedians in Berlin „ab und zu mal“.
Bei einem dieser Treffen soll Roland Kaiser erzählt haben, dass manche seiner älteren Hits heutzutage gar nicht mehr im Radio gespielt würden. Für Appelt war das offenbar die perfekte Vorlage.
Auf der Bühne nimmt er diese Aussage auf und seziert mehrere Kaiser-Klassiker mit viel Ironie. Dabei geht es ihm weniger um eine echte Abrechnung, sondern um pointierte Comedy über alte Schlagerzeilen, die heute anders gelesen werden könnten.
„Sexistisch“ und „#MeToo“
Besonders bei „Manchmal möchte ich schon mit dir“ wird Ingo Appelt deutlich. Er fragt sein Publikum vielsagend, worauf Roland Kaiser in diesem Song wohl anspiele.
Sein spöttisches Fazit: Heute könnte so etwas schnell als „sexistisch“ eingeordnet werden. Auch der Titel „Zieh dich nicht aus, Amore Mio“ bekommt bei Appelt sein Fett weg.
Aus seiner Sicht würde darüber heute womöglich eine „#MeToo-Debatte“ entstehen. Auch bei „Santa Maria“ hält er sich nicht zurück. Eine Zeile über „ihre Jugend“ nimmt er zum Anlass, scheinbar unschuldig nachzufragen, was der Sänger da eigentlich in den Händen gehalten habe.
Appelt nennt Roland Kaiser trotzdem einen Helden

Trotz der Sticheleien unterstellt Ingo Appelt Roland Kaiser keine böse Absicht. Im Gegenteil: Der Comedian macht deutlich, dass er den Schlagerstar sehr respektiert.
Für ihn ist Kaiser ein Künstler, der seit mehr als 50 Jahren auf der Bühne steht, gesundheitliche Rückschläge überstanden hat und trotzdem immer weitergemacht hat. Genau das macht ihn für Appelt zu „einem Helden“.
Seine Witze über die Songtexte sind deshalb keine reine Attacke. Sie funktionieren eher als humorvoller Blick auf eine Schlagerwelt, in der Erotik, Andeutung und große Gefühle schon immer eine wichtige Rolle gespielt haben.
Roland Kaiser kontert mit klarer Haltung

Roland Kaiser selbst hat sich im Podcast „May Way – Promi Deep Talk“ zu seinen pikanten Texten geäußert. Dabei zog er einen Vergleich zu seinem verstorbenen Freund Udo Jürgens.
Er sagte: „Mein großer Kollege und wirklich über Jahre guter Freund, Udo Jürgens, hat ja immer solche Sachen auch bedacht in seinen Texten – und mir geht’s ähnlich.“
Dann formulierte Kaiser es noch direkter: „Ich habe immer verbotene Sachen gesungen.“ Für ihn gehört das offenbar zur Wahrheit über Liebe dazu. Er erklärte: „Liebe ist ja nicht nur Hand in Hand am Strand spazieren gehen, sondern es hat ja noch ein paar Sachen, die tiefer gehen. Das habe ich auch nie ausgeklammert.“
Auch beim ZDF sorgen Kaiser-Songs für Diskussionen

Ingo Appelt ist mit seinen Zweifeln an manchen Roland-Kaiser-Zeilen nicht allein. Auch beim ZDF sollen einige Songs des Schlagerstars gelegentlich für Gesprächsstoff sorgen.
Giovanni Zarrella verriet in seiner eigenen ZDF-Show, dass er vor jeder Ausgabe die Songliste seiner Gäste mit dem Sender abstimmen müsse. Bei Roland Kaiser habe es dabei „bereits einige Male zu Diskussionen geführt“.
Der Grund: Titel wie „Manchmal möchte ich schon mit dir“ oder „Lieb mich ein letztes Mal“ seien manchen Verantwortlichen teilweise „zu erotisch“. Zu einem echten Verbot sei es aber nie gekommen. Zarrella brachte es charmant auf den Punkt: So schön habe schließlich noch nie jemand über das „Liebe machen“ gesungen.

