Bill Kaulitz spricht über einen Moment, der ihn bis heute beschäftigt.
Ein Erlebnis, das unter die Haut geht

Bill Kaulitz ist heute für seinen extravaganten Stil, seine klaren Worte und sein starkes Selbstbewusstsein bekannt. Der Tokio-Hotel-Frontmann trägt, was er möchte, und zeigt sich so, wie er ist.
Doch dieses Selbstbewusstsein war nicht immer da. Im Interview mit dem „Stern“ spricht der 36-Jährige nun offen über seine Kindheit und Jugend.
Dabei erzählt Bill von queerfeindlichen Angriffen, die ihn damals schwer belasteten. Hinter der schillernden öffentlichen Figur steckt also auch eine Vergangenheit, die von Angst, Scham und Gewalt geprägt war.
Queerfeindliche Übergriffe in der Jugend

Bill Kaulitz berichtet von Situationen, die ihn bis heute geprägt haben. Er sagt: „Damals gab es Situationen, in denen mir die Hose runtergezogen wurde oder mir im Schwimmbad zwischen die Beine gefasst wurde.“
Den Tätern sei es dabei darum gegangen, sein Geschlecht zu identifizieren. Für Bill waren diese Übergriffe damals offenbar so häufig, dass sie sich fast wie Alltag anfühlten.
Er erklärt: „Das war für mich fast normal, und aus Scham habe ich es oft niemandem erzählt.“ Diese Worte zeigen, wie allein er sich in solchen Momenten gefühlt haben muss.
Los Angeles wurde zum Neuanfang

2010 zogen Bill und sein Zwillingsbruder Tom Kaulitz von Deutschland nach Los Angeles. Für beide wurde die Stadt mit der Zeit zu einer neuen Heimat.
Der Abstand zu Deutschland und zu den Erfahrungen seiner Jugend half Bill offenbar, anders auf seine Vergangenheit zu blicken. Heute kann er über vieles sprechen, was er früher aus Scham verschwieg.
Er sagt: „Weil ich ein anderes Selbstbewusstsein habe, das es mir ermöglicht, meinen Schmerz von damals einzuordnen. Vielleicht sogar zu vergessen.“ Los Angeles gab ihm offenbar den Raum, freier und selbstbestimmter zu leben.
Heute fühlt er sich stärker

Bill Kaulitz beschreibt, dass er sich im Alltag heute nicht mehr ständig mit Feindseligkeit gegenüber queeren Menschen auseinandersetzen muss. Für ihn macht das einen großen Unterschied.
Er sagt: „Ich kann heute mit meinen Haaren und meinen ‚Penisschuhen‘ hier sitzen, weil ich weiß, dass ich mich wehren kann. Aber ich weiß, dass das für viele andere nicht die Realität ist.“
Damit zeigt Bill, dass er seine heutige Freiheit nicht als selbstverständlich betrachtet. Er weiß, dass viele queere Menschen weiterhin Angst, Ablehnung oder Gewalt erleben.
Bill und Tom kehren in die Vergangenheit zurück

Bill und Tom Kaulitz sprechen immer wieder offen über ihre Geschichte – in ihrem Podcast „Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood“ ebenso wie in ihrer Netflix-Doku „Kaulitz & Kaulitz“.
Die dritte Staffel erscheint am 23. Juli. Schon im Trailer ist zu sehen, dass die Zwillinge in ihre alte Heimat zurückkehren.
Dabei geht es offenbar auch um die Frage, wie sie heute auf ihre Kindheit und Jugend blicken. Für Bill ist diese Reise kein leichter Schritt, aber ein wichtiger. Denn sie führt ihn zurück an Orte, die mit vielen schmerzhaften Erinnerungen verbunden sind.
„Das war keine behütete Kindheit“
Bereits im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur hatte Bill Kaulitz deutlich gemacht, wie schwer seine Kindheit war. Er sagte: „Das war keine behütete Kindheit.“
Seine Jugend sei von Angst, Hass und Gewalt geprägt gewesen. Gleichzeitig habe genau diese Zeit ihn und Tom zu den Menschen gemacht, die sie heute sind.
In der neuen Staffel reisen die Brüder auch zu einem Klassentreffen. Für Bill war dieser Besuch wichtig: „Für mich war das sehr heilend“, sagte er. Und weiter: „Ich mag nicht gerne so einen Groll mit mir rumtragen.“ Auch Tom blickt positiv auf das Wiedersehen zurück. Für ihn war das Klassentreffen einer der schönsten Momente des vergangenen Jahres.

