Es war eine ihrer längeren Beziehungen. Doch nun hat Claudia Obert einen Schlussstrich gezogen.
Der Paukenschlag nach der Niederlage

Fünf Jahre lang hielt Claudia Obert der CDU die Treue. Jetzt zieht die Unternehmerin einen Schlussstrich und wendet sich von der Partei ab.
Auslöser ist für Obert das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dort konnte die AfD die Wahl gewinnen. Für die Unternehmerin ist das Ergebnis ein deutliches Zeichen dafür, dass bei der CDU einiges schiefläuft.
Im Gespräch mit „Bild“ machte sie keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung und erklärte, warum sie nun Konsequenzen zieht.
Obert rechnet mit der CDU ab

Claudia Obert sieht die Verantwortung für den Aufwind der AfD vor allem bei der CDU. Die Partei habe aus ihrer Sicht versagt und damit selbst dazu beigetragen, dass viele Wähler sich anderen politischen Kräften zuwenden.
„Weil die CDU versagt hat, hat die AfD Aufwind“, sagte Obert im Interview mit „Bild“.
Das Wahlergebnis interpretiert sie als eine Form des Protests. Viele Menschen hätten aus ihrer Sicht nicht unbedingt eine klare politische Überzeugung, sondern seien vor allem unzufrieden mit den bestehenden Verhältnissen.
Ihre Einschätzung fällt entsprechend deutlich aus: „Die meisten Leute wissen gar nicht, was sie da wählen, die kotzt einfach nur alles an.“
Harte Kritik an der Regierung

Auch die Zusammenarbeit von CDU und SPD sieht Obert kritisch. In der Koalition werde ihrer Meinung nach häufig nur versucht, einen möglichst kleinen gemeinsamen Nenner zu finden.
Große Veränderungen seien dabei bislang ausgeblieben. Das Regierungsbündnis habe noch „keinen einzigen Big Point“ umgesetzt, kritisierte die Mode-Unternehmerin.
Obert vermisst vor allem grundlegende Reformen. Die Probleme des Landes würden ihrer Ansicht nach nicht nachhaltig angegangen.
„Das Land ist dermaßen reformbedürftig“

Besonders deutlich formulierte Obert ihre Kritik an den aus ihrer Sicht fehlenden Veränderungen: „Sie reden über Reformen, aber es finden keine statt. Und wenn überhaupt, dann sind sie wirkungslos. Das Land ist dermaßen reformbedürftig. Es ist alles nur ein Flickenteppich, aber nichts Großes.“
Als konkretes Beispiel nannte sie die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Fehltag.
Das dahinterstehende Konzept hält Obert für „weltfremd“. Ihrer Ansicht nach könne die Regelung sogar dazu führen, dass Arbeitnehmer länger krankgeschrieben würden, als es eigentlich nötig wäre.
Obert spricht über ihren eigenen Umsatz

Neben ihrer politischen Kritik gewährte Claudia Obert auch einen Einblick in die wirtschaftliche Lage ihres eigenen Geschäfts.
Durch ihre Boutique habe sie täglich Kontakt zu Menschen und bekomme deshalb unmittelbar mit, wie sich die gestiegenen Belastungen auf den Alltag auswirken. Viele könnten sich bestimmte Dinge kaum noch leisten.
„Eine Krankenschwester sollte sich einen Friseurbesuch noch leisten können. Selbst ein Restaurantbesuch ist für viele nicht mehr drin“, sagte Obert.
Die schwierige Lage spüre sie nach eigener Aussage auch in ihrem eigenen Unternehmen.
Millionen-Umsatz eingebrochen

Obert nannte dabei konkrete Zahlen zu ihrem Geschäft. Ihr Umsatz sei innerhalb kurzer Zeit deutlich zurückgegangen: „Mein Umsatz ging von 5 Millionen auf 3,4 Millionen runter. Aber meine Kosten bleiben. Und steigen sogar ständig.“
Die Unternehmerin sieht darin ein weiteres Zeichen für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen viele Menschen und Unternehmen derzeit zu kämpfen hätten.
Einem größeren Publikum wurde die gebürtige Freiburgerin vor allem durch ihre Auftritte in verschiedenen Reality-Formaten bekannt. Dazu gehörten unter anderem „Promi Big Brother“, „Promis unter Palmen“ und „Das Sommerhaus der Stars“.
Nach fünf Jahren CDU-Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung der Partei zieht Obert nun jedenfalls Konsequenzen aus ihrer politischen Enttäuschung. Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt war für sie offenbar der entscheidende Anlass, sich von der CDU abzuwenden.

