Ein neuer Dokumentarfilm wühlt die Erinnerung an das deutsche Unterhaltungsfernsehen der 90er-Jahre auf – und mit ihm kommt auch ein altes, unangenehmes Bild dieser Ära zurück. Im Zentrum stehen prominente Frauen wie Esther Schweins, die nun auf eine Zeit blicken, in der Humor, Macht und Sichtbarkeit auffällig oft männlich verteilt waren.
Rückblick mit Sprengkraft

Thomas Gottschalk gehörte jahrzehntelang zu den bekanntesten Entertainern im deutschen Fernsehen. Besonders mit „Wetten, dass..?“ prägte er eine ganze TV-Ära.
Doch rückblickend wird sein Verhalten vor der Kamera heute deutlich kritischer betrachtet. Vor allem sein Umgang mit weiblichen Gästen sorgt immer wieder für Diskussionen.
Gottschalk ging in der Sendung häufig auf Tuchfühlung. Mal tätschelte er Iris Berben das Knie, mal rückte er Gästen körperlich sehr nahe. Auch Beyoncé erlebte einen Moment, in dem Gottschalk an ihrem Kleid hantierte, nachdem ihr Mikrofon verrutscht war. Nun spricht auch Esther Schweins über eine Szene, die sie bis heute beschäftigt.
Esther Schweins erinnert sich an „Wetten, dass..?“
Esther Schweins ist Teil des Films „Was haben wir gelacht“, der das deutsche Showgeschäft der Neunziger- und 2000er-Jahre beleuchtet.
In der Beschreibung der Doku heißt es über diese Zeit: „Eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt.“
Die Schauspielerin, die durch „RTL Samstag Nacht“ bekannt wurde, blickt darin auf einen Auftritt bei „Wetten, dass..?“ im Jahr 1996 zurück. Der Ausschnitt zeigt, wie Thomas Gottschalk sie an der Hand zur Couch führt, ihr sehr nahekommt und ihr sexualisierende Kommentare vorliest.
„Ich habe heute das Herzklopfen“

Als Esther Schweins die alte Szene in der Doku erneut sieht, reagiert sie sichtbar bewegt. Der Moment scheint bei ihr auch Jahrzehnte später noch etwas auszulösen.
Sie sagt: „Ich habe heute das Herzklopfen, das ich damals in dieser Situation hatte.“ Diese Aussage macht deutlich, wie unangenehm ihr die Situation damals offenbar war.
Schweins beschreibt außerdem, dass sie sich „in die Enge getrieben“ gefühlt habe. Damals habe sie keine Worte dafür gehabt, „dass es mir nicht gut ging auf dem Sofa“. Genau diese nachträgliche Einordnung macht den Clip heute für viele Zuschauer besonders schwer anzusehen.
Viele Zuschauer reagieren empört

Nachdem die Szene erneut sichtbar wurde, löste sie zahlreiche Reaktionen aus. Viele Menschen zeigen sich schockiert und empfinden Gottschalks Verhalten aus heutiger Sicht als deutlich unangemessen.
In den Kommentaren heißt es unter anderem: „Das ist maximal unangenehm“, „Mir ist gerade so schlecht, mir fehlen die Worte“ oder „Immer wieder eklig, das zu sehen“.
Auch Worte wie „Einfach nur abstoßend“, „Übergriffig“ und „Unfassbar! Ich schäme mich“ fallen. Gleichzeitig loben viele, dass solche alten TV-Momente heute noch einmal gezeigt und diskutiert werden. Für sie geht es nicht nur um Gottschalk, sondern um ein ganzes Fernsehsystem.
Andere verteidigen Gottschalk

Nicht alle Reaktionen fallen kritisch aus. Einige Nutzer verteidigen Thomas Gottschalk und werfen der Doku vor, frühere TV-Momente mit heutigen Maßstäben zu streng zu bewerten.
Ein User schreibt: „Damals hat es keinen gestört. Jedes Wort, Satz, gar körperliche Berührung von ihm heute neu zu bewerten ist völlig absurd.“ Ein anderer fragt: „Keine der Damen hat sich beschwert. Warum tun sie es jetzt?“
Auch Kommentare wie „Also ich habe nur Komplimente gehört“ oder „Waren halt andere Zeiten. Meine Güte“ finden sich unter den Diskussionen. Genau daran zeigt sich, wie unterschiedlich der Rückblick auf diese Fernsehzeit ausfällt.
Gottschalk verteidigte sein Verhalten

Thomas Gottschalk selbst hat sein damaliges Auftreten in der Vergangenheit verteidigt. Gegenüber dem „Spiegel“ sagte er 2024: „Ich habe Frauen im TV rein dienstlich angefasst. Wie ein Schauspieler, der im Film küsst, weil es im Drehbuch steht.“
Doch die neue Doku stellt genau diese Haltung erneut zur Diskussion. Denn viele Frauen aus der damaligen TV-Zeit beschreiben heute, wie selbstverständlich Grenzüberschreitungen, Rollenklischees und sexualisierte Sprüche im Fernsehen wirkten.
In „Was haben wir gelacht“ geht es deshalb nicht nur um Thomas Gottschalk. Auch Kollegen wie Harald Schmidt und Stefan Raab werden beleuchtet. Neben Esther Schweins blicken Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Hella von Sinnen auf diese Zeit zurück – eine Ära, die viele unterhalten hat, aber heute deutlich kritischer betrachtet wird.

