Auf einem Volksfest soll plötzlich Schluss sein mit gleich zwölf umstrittenen Partyhits – und genau das sorgt jetzt für mächtig Wirbel.
Streit um Partyhits

Die Erlanger Bergkirchweih gehört zu den bekanntesten Volksfesten Deutschlands. Jahr für Jahr feiern dort Hunderttausende Besucher ausgelassen zu Klassikern wie Layla oder Skandal im Sperrbezirk.
Doch genau diese Musik sorgt jetzt plötzlich für heftige Diskussionen. Denn die Gleichstellungsstelle der Stadt Erlangen möchte bestimmte Songs künftig nicht mehr auf dem Volksfest hören.
Wie die „Nürnberger Nachrichten“ berichten, wurde dazu ein Schreiben an die Wirte der Bergkirchweih verschickt. Darin bittet die Behörde darum, insgesamt zwölf bestimmte Lieder künftig nicht mehr abzuspielen.
Die Begründung sorgt inzwischen für hitzige Debatten – nicht nur bei Fans der Partyhits.
Diese Songs sollen nicht mehr gespielt werden

Laut dem Bericht nennt die Gleichstellungsstelle mehrere konkrete Titel, die aus Sicht der Behörde problematisch seien. Hintergrund seien angeblich sexistische oder frauenfeindliche Inhalte.
In dem Schreiben heißt es demnach, diese Songs hätten „aufgrund sexistischer oder frauenfeindlicher Inhalte an der Erlanger Bergkirchweih keinen Platz“.
Besonders betroffen sind mehrere bekannte Ballermann-Hits von Mickie Krause. Darunter Songs wie 10 nackte Friseusen, Geh mal Bier holen oder Olé, wir fahr’n in‘ Puff nach Barcelona.
Auch Mirja Boes und Peter Wackel sollen mit Songs auf der Liste stehen.
Die Wirte wurden außerdem darum gebeten, diese Vorgaben auch an Bands und DJs weiterzugeben.
Die Stadt spricht von „respektvoller Atmosphäre“

Die Gleichstellungsstelle begründet die Initiative mit dem Wunsch nach einem sicheren und respektvollen Umfeld auf dem Volksfest.
Ziel sei es laut Schreiben, „gemeinsam eine respektvolle Atmosphäre und sicheres Feiern“ zu ermöglichen.
Außerdem heißt es darin: „Bitte achten Sie darauf, dass diese Titel bei der Veranstaltung nicht gespielt werden.“
Die Stadt wolle gemeinsam dafür sorgen, „dass sich alle Gäste und Mitarbeitenden auf dem Berg wohl und sicher fühlen“.
Genau diese Argumentation stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Während einige die Initiative unterstützen, sehen andere darin einen Eingriff in die musikalische Freiheit und die traditionelle Partykultur des Volksfestes.
Auch ein echter Kultsong ist betroffen

Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt derzeit die Tatsache, dass auch Skandal im Sperrbezirk auf der Liste stehen soll.
Der Song der Spider Murphy Gang gilt seit Jahrzehnten als absoluter Kult-Hit auf Volksfesten und Partys.
Genau deshalb sorgt das mögliche Musikverbot aktuell für Kopfschütteln bei vielen Fans – und offenbar auch bei der Band selbst.
Jürgen Thürnau, der Manager der Spider Murphy Gang, reagierte gegenüber der Nachrichtenseite deutlich auf die Diskussion.
„So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört“

Die Kritik des Bandmanagers fiel ausgesprochen scharf aus. Gegenüber den „Nürnberger Nachrichten“ sagte Jürgen Thürnau:
„So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört.“
Anschließend zog er sogar einen historischen Vergleich: „Als wir in der DDR gespielt haben, da mussten wir jedenfalls keine Setliste vorlegen!“
Mit diesen Aussagen dürfte die Diskussion zusätzlich angeheizt werden. Denn inzwischen geht es vielen längst nicht mehr nur um einzelne Songs – sondern grundsätzlich um die Frage, wie weit Eingriffe in kulturelle Veranstaltungen gehen dürfen.
Gerade auf Volksfesten gehören Partyhits und provokante Texte für viele Besucher traditionell einfach dazu.
Die Bergkirchweih hat eine lange Tradition

Die Erlanger Bergkirchweih zählt zu den ältesten Bier- und Volksfesten Deutschlands. Bereits seit 1755 wird das Fest in Erlangen gefeiert.
Jedes Jahr zieht die Veranstaltung rund eine Million Besucher an und gilt besonders in Franken als echtes Kult-Event. Gefeiert wird traditionell rund um Pfingsten auf dem Burgberg.
Gerade deshalb sorgt die aktuelle Diskussion nun für so viel Aufmerksamkeit. Viele Menschen verbinden die Bergkirchweih mit ausgelassener Stimmung, Musik und jahrzehntealten Traditionen.
Ob die betroffenen Songs am Ende tatsächlich nicht mehr gespielt werden, bleibt bislang offen. Sicher scheint jedoch schon jetzt: Die Debatte um Partyhits, Freiheit und Grenzen auf Volksfesten dürfte noch länger weitergehen.

