Schauspielstar Anna Loos legt sich mit einem Theater an und erntet harsche Gegenwehr.
Ein öffentlicher Schlagabtausch mit Folgen

Ein wütender Streit erschüttert die Kulturszene der Havelstadt. Schauspielerin Anna Loos hatte das Theater in Brandenburg an der Havel scharf kritisiert – nun schlägt der Gegenwind mit voller Wucht zurück. Der Förderverein der Brandenburger Symphoniker weist ihre Vorwürfe entschieden zurück und erhebt schwere Vorwürfe gegen die prominente Kritikerin. Die Auseinandersetzung ist längst über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar – und hat eine Debatte ausgelöst, die Kunst, Verantwortung und öffentliche Wirkung miteinander verknüpft.
Der Vorwurf der Rufschädigung

Andrea-Carola Güntsch, Vorsitzende des Fördervereins, findet deutliche Worte. In einer Stellungnahme heißt es: „Durch die Bekanntheit von Frau Loos denkt nun ganz Deutschland, Brandenburg an der Havel sei eine heruntergewirtschaftete Stadt, die ihr Theater verkommen lässt.“ Weiter wirft sie der gebürtigen Brandenburgerin vor: „Sie hat durch ihre Äußerungen das Theater und die Stadt schwer beschädigt.“ Der Kern der Kritik: Öffentliche Aussagen mit großer Reichweite hätten ein verzerrtes Bild gezeichnet – zulasten des Hauses und der Stadt Brandenburg an der Havel.
Der Auslöser – eine Bewerbung ohne Ergebnis

Hintergrund des Konflikts ist Loos’ Bewerbung um die Intendanz Ende 2025. Die Stelle blieb jedoch unbesetzt. Stattdessen ernannte der Aufsichtsrat Dramaturgin Carola Söllner zur Künstlerischen Leiterin – befristet bis 2027. Wie es mit der Intendanz weitergeht, soll ein neues Verfahren klären. Loos erklärte dennoch, ihre Bewerbung aufrechtzuerhalten. Die Personalentscheidung wirkte wie ein Katalysator: Kurz darauf folgte ihre öffentliche Abrechnung mit dem Zustand des Theaters.
„Die Lichter sind häufiger aus als an“

Loos’ Kritik fiel scharf aus. „Die Situation des Theaters hat sich kontinuierlich verschlechtert“, sagte sie und sprach von zu wenigen Tickets, zu wenig Programm und schwindendem Publikum. Besonders zugespitzt: „Die Lichter sind häufiger aus als an.“ Das Haus gleiche „einem sinkenden Schiff“, ein Kurswechsel sei dringend nötig. Für den Förderverein sind diese Aussagen „ein Schlag ins Gesicht“. Man widerspricht entschieden und verweist auf belastbare Zahlen und künstlerische Qualität.
Zahlen, Qualität – und Zweifel an der Eignung

Güntsch kontert mit Fakten: Die Auslastung liege über dem Bundesdurchschnitt. „Das Brandenburger Theater hat sich nach einer schwierigen Nachwendezeit zunehmend konsolidiert“, heißt es, mit „hervorragender Qualität“ bei Konzerten, Musiktheater und Schauspiel. Zudem stellt der Förderverein Loos’ Qualifikation infrage. Leitungs- und Budgetverantwortung, Personalführung und künstlerische Planung seien zentrale Anforderungen. „Mir persönlich erschließt sich aus ihrer Biografie eine solche Qualifikation nicht“, so Güntsch – eine Spitze, die die Debatte weiter verschärft.
Bewerberandrang und ein offenes Ende

Bemerkenswert: Laut Förderverein gingen bereits 15 Bewerbungen ein – obwohl die Intendanz noch gar nicht offiziell ausgeschrieben ist. Das Theater meldet für Dezember 2025 eine Auslastung von 91,1 Prozent: Rund 6.200 Gäste besuchten 54 Veranstaltungen. Die Zahlen stehen im klaren Gegensatz zur öffentlichen Kritik. Wie es weitergeht, entscheidet nun das angekündigte Verfahren. Sicher ist: Der Konflikt hat die Aufmerksamkeit auf das Haus gelenkt – und die Frage aufgeworfen, wie Kritik, Verantwortung und Öffentlichkeit künftig austariert werden.

