Uschi Glas wollte endlich Klarheit über ihre Herkunft – und bekam eine Wahrheit, die tiefer schnitt als jede Filmkritik.
Eine Frage nach den Wurzeln

Seit Monaten beschäftigte die 81-jährige Schauspiel-Ikone ein drängender Gedanke: Gibt es in ihrer Familiengeschichte jüdische Vorfahren, die ihren heutigen Einsatz gegen Antisemitismus erklären könnten? Also engagierte sie einen professionellen Ahnenforscher, durchforstete Kirchenbücher, Archivkarten und vergilbte Militärpapiere – alles in der Hoffnung auf ein verbindendes Licht in dunkler Zeit.
Doch der Stammbaum lieferte kein erwartetes Leuchten, sondern einen Schock, der mitten ins Herz traf. Lassen Sie uns weiterblättern: Gleich lesen Sie, welches Dokument die Recherche abrupt in eine völlig andere Richtung lenkte.
Der Name, der alles veränderte

Auf einer meldeamtlichen Karteikarte tauchte plötzlich Christian Glas auf – Uschis Vater. Seit dem 1. Dezember 1931 war er Mitglied der NSDAP, also zwei Jahre VOR Hitlers Machtergreifung. Die nüchternen Zahlen ließen keinen Raum für Zweifel: Parteieintritt, Beitragsnummer, Dienstgrad.
Als Uschi Glas das las, stockte ihr der Atem. „Das war die Wahrheit, die weh tut“, flüsterte sie später. Doch damit begann die Tragödie erst – denn der Lebenslauf ihres Vaters endete nicht 1933. Welche Einheit ihn später verschlang, zeigt die nächste Seite.
Späte Schatten der Waffen-SS

Der Forscher stieß auf ein zweites Aktenbündel: Christian Glas wurde 1944 Funker der berüchtigten SS-Division „Skanderbeg“. Diese Einheit war auf dem Balkan in Kriegsverbrechen verwickelt, Deportationen inklusive. Zwar gibt es laut den Dokumenten keinen Hinweis auf persönliche Schuld, aber der Familienname war nun untrennbar mit einer blutigen Spur verknüpft.
Für Uschi Glas brach damit eine Welt zusammen. Zugleich schwor sie sich, das Schweigen zu brechen – nicht in Selbstanklage, sondern im Dialog. Mit wem sie diesen Dialog sucht, verraten wir gleich.
Begegnung mit Charlotte Knobloch

Auf Einladung der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, traf die Schauspielerin in München erstmals eine Frau, die das KZ Theresienstadt als Kind überlebt hatte. Zwei Lebenswege, die unterschiedlicher kaum sein könnten, prallten aufeinander – und verbanden sich in einem gemeinsamen Appell gegen das Vergessen.
Gemeinsam beschlossen Glas und Knobloch, die Geschichte als Warnung aufzuschreiben. Was daraus entstand, ist mehr als ein Erinnerungsbuch – es ist ein Weckruf. Wie genau dieses Werk Mut geben soll, lesen Sie im letzten Kapitel.
Das Buch als Befreiungsschlag
Unter dem Titel „Die Wahrheit, die weh tut“ schildert Uschi Glas ihre persönliche Zerreißprobe – vom kindlichen Heldenbild des Vaters bis zur bitteren Erkenntnis seiner NS-Vergangenheit. Zugleich beschreibt sie, wie der Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 ihren Kampf gegen Judenfeindlichkeit noch verstärkte.
Heute sagt die Schauspielerin: „Ich fühle Scham, aber auch Verantwortung.“ Mit Lesungen, Spendenaktionen und offenen Debatten will sie die nächste Generation für Demokratie sensibilisieren – denn die schmerzhafte Wahrheit kann nur heilen, wenn wir hinschauen, nicht wegsehen.

