Howard Carpendale blickt auf ein Leben voller Glanz und Schatten zurück. In einem aktuellen Gespräch öffnet der Entertainer sein Herz, spricht offen über seine tiefste Krise und verrät, warum er das Etikett „Schlagersänger“ bis heute ablehnt.
Nähe zu den Fans als Lebensprinzip

Seit Jahrzehnten füllt Howard Carpendale große Hallen – und doch hat er sich etwas bewahrt, das viele Stars verlieren. „Wenn ich vor 10.000 oder 20.000 Menschen Konzerte gebe, kenne ich vom Gesicht her alle, die in den ersten zwei, drei Reihen sitzen“, sagt Carpendale. Für ihn sei das nicht nur Freude, sondern Verpflichtung.
Diese Nähe erklärt, warum ihm seine Fans über Generationen treu geblieben sind. Sie sehen keinen unnahbaren Star, sondern einen Künstler, der präsent ist, der liefert – und der bis heute den Anspruch hat, jedes Konzert so zu spielen, als wäre es etwas Einmaliges.
Das Schlager-Etikett und alte Vorurteile

Trotz seines vielseitigen Repertoires wird Carpendale bis heute oft als Schlagersänger eingeordnet. In seiner Autobiografie Unerwartet erklärt er, warum. Seine frühere Plattenfirma habe ihn gezielt so aufgebaut.
Er selbst geht entspannt damit um. „Manche Melodien finde ich auch schön. Ich schäme mich nicht, sie zu singen“, schreibt er. Was ihn jedoch stört, sind Vorurteile. In Deutschland gelte oft: Wer Schlager nicht mag, halte Schlagersänger für dumm. Ein Bild, das er entschieden zurückweist – auch, weil es seinem Lebensweg nicht gerecht wird.
Dunkle Jahre und familiäre Brüche

Carpendale verschweigt nicht, dass sein Leben Schattenseiten hatte. „Keiner geht durch 80 Jahre ohne dunkle Flecken“, sagt er offen. Dazu zählen Karriereknicke ebenso wie der Alkoholismus seiner langjährigen Partnerin und späteren Ehefrau Donnice.
Mit der US-Amerikanerin lebte er mehrere Jahre in den USA, gemeinsam bekamen sie Sohn Cass. Doch die vermeintliche Idylle trügte. „Wenn ich nach Hause komme, ist Donnice meist betrunken“, schreibt er rückblickend. Es folgte ein jahrelanger Kreislauf aus Hoffnung, Rückschlägen, Trennungen und Versöhnungen – zermürbend für beide.
Absturz und Rettung durch den Sohn

Diese Dauerbelastung hinterließ auch bei ihm tiefe Spuren. Schlechte Investitionen kosteten viel Geld, dazu kam exzessives Online-Pokern. Schließlich rutschte Carpendale selbst in eine schwere Depression.
Der Wendepunkt kam durch seinen Sohn aus erster Ehe: Wayne Carpendale. Er war es, der den Vater überzeugte, professionelle Hilfe anzunehmen. Der Gang in eine Klinik wurde zum entscheidenden Schritt – raus aus der Krise, hin zu einem neuen Blick auf das eigene Leben.
Die Liebe, die geblieben ist

Nach der Therapie fand Carpendale auch zu seiner Frau zurück. Donnice gelang es, dem Alkohol endgültig zu entsagen. In seinem Buch nennt er sie den „Menschen meines Lebens“.
Heute spricht er ruhig und dankbar über diese Zeit: „Meine Frau und ich hatten 18 Jahre lang eine sehr schwierige Zeit. Im Moment erleben wir unsere glücklichste Zeit zusammen.“ Für ihn sei klar: Es habe sich gelohnt, durch diese Phase gemeinsam zu gehen. Ein spätes, aber bewusstes Glück – getragen von Einsicht und Geduld.
Abschied ohne Drama

Den 80. Geburtstag groß feiern? Nicht sein Stil. „Der Geburtstag ist unwichtig, das ist keine Leistung“, sagt Carpendale. Lieber verbringt er den Tag ruhig mit seiner Familie. Die Zahl selbst bedeute ihm wenig.
Ab März geht er auf Abschiedstournee, die – mit Verlängerung – bis in den September reicht. Und trotz aller Lebensjahre klingt er selbstbewusst: „Ich habe junge Menschen um mich rum, die würden nie sagen, der Typ ist 80.“
Es ist der Abschied eines Künstlers, der viel erlebt hat – und der heute genau weiß, wer er ist.

