Der deutsche ESC-Vorentscheid sorgte diesmal nicht nur für Jubel über die frisch gekürte Vertreterin – sondern vor allem für geballten Unmut in den sozialen Medien.
Drei Stunden ESC – obwohl nur neun Songs liefen

Der deutsche ESC-Vorentscheid war am Samstagabend ein echtes TV-Ereignis: „Eurovision Song Contest 2026 – Das Deutsche Finale“ lief rund drei Stunden, neun Acts traten an, am Ende gewann Sarah Engels und fährt am 16. Mai für Deutschland nach Wien. Moderiert wurde die Liveshow von Barbara Schöneberger und Hazel Brugger.
Quotenmäßig kann die ARD sich dabei auf die Schulter klopfen. Doch parallel zur Freude über Reichweite und Marktanteil macht sich in den sozialen Medien ein ganz anderes Thema breit: Viele Zuschauer waren genervt – nicht von den Songs, sondern vom gefühlten Marathon-Tempo der Sendung.
Und genau dieser Kontrast macht den Abend so typisch ESC: Auf dem Papier ein Erfolg – im Netz ein Aufreger.
3,65 Millionen Zuschauer: ARD legt zu

Laut AGF-Daten schalteten im Schnitt 3,65 Millionen Menschen ein. Das entspricht einem Marktanteil von 18,1 Prozent. Damit lag die Show mindestens auf Vorjahresniveau – teils wird sogar von einem kleinen Plus berichtet.
Auch mehrere Branchenmedien betonten: Für den SWR/ die ARD ist das ein klarer Erfolg, zumal die Sendung ohne „Raab-Zug“ dennoch große Reichweiten erreichte.
Doch während die Zahlen glänzen, war die Stimmung vieler Live-Zuschauer online erstaunlich gereizt. Und der Hauptgrund fiel in den Kommentaren immer wieder gleich aus.
„So lang wie eine Reise zum Mond – zu Fuß“

Auf X (ehemals Twitter) hagelte es Spott – und der drehte sich fast durchgehend um die Dauer. Ein Zuschauer schrieb: „Dieser Vorentscheid ist so lang wie eine Reise zum Mond – zu Fuß“. Ein anderer wunderte sich: „Warum dauert dieser Vorentscheid (9 Songs) genauso lang wie der echte ESC (24 bis 26 Songs)??“
Damit war der Ton gesetzt: Viele fühlten sich, als würde der Abend künstlich gestreckt. Und je weiter die Sendung voranschritt, desto lauter wurde der Vorwurf, dass gerade ein bestimmter Teil besonders viel Zeit gefressen habe.
Genervt wegen Jury-Pause: „ARD: JA!!!“

Besonders die Zeit rund um die Jury-Entscheidung wurde in den Kommentaren als zäh empfunden. Ein User schrieb genervt: „Wie lang will man den Vorentscheid in die Länge ziehen? ARD: JA!!!“ Andere stichelten: „Kloppt sich die Jury im Backstage, oder wieso dauert das so elendig lang?“ oder „Als ob die Jury so lang zum Abstimmen braucht“.
Gerade weil es „nur“ um die Auswahl der drei Superfinal-Acts ging, fühlten sich viele Zuschauer ausgebremst. Und um die Wartezeit zu füllen, setzte die Show auf ein Mittel, das bei ESC-Fans besonders empfindlich ist: Wiederholungen.
Zu viele Schnelldurchläufe: „Denkt man, der Zuschauer sei senil?“

Um die Länge zu überbrücken, gab es laut Zuschauern „jede Menge“ Schnelldurchläufe – und genau das kippte für viele ins Negative. Auf X wurde ironisch gefordert: „Könnten wir bitte nochmal den Song hören?“ und: „Nochmal ein Schnelldurchlauf der drei Superfinal-Acts. Weil der geneigte Zuschauer zu blöd ist, sich drei Songs zu merken.“
Ein anderer Kommentar fragte: „Warum muss man sich die drei Beiträge nochmal anschauen? Denkt man, der Zuschauer sei senil?“ – ein Satz, der zeigt, wie sehr manche das Gefühl hatten, die Sendung traue dem Publikum zu wenig Konzentration zu oder wolle schlicht Zeit füllen.
Und selbst eingefleischte ESC-Fans gingen am Ende nicht mehr mit.
„Ich bin wirklich ESC-Fan, aber…“ – der Wunsch nach einer schlankeren Show

Besonders auffällig: Selbst Zuschauer, die sich ausdrücklich als ESC-Fans bezeichnen, fanden das Format zu aufgebläht. Ein Kommentar fasst den Frust so zusammen: „Ich bin wirklich ESC-Fan, aber warum muss man den Vorentscheid auf drei Stunden aufblasen…“ – und skizziert eine deutlich kompaktere Wunschstruktur: eine Stunde Vorstellung und Gesang, danach Voting, dann der Siegersong.
Unterm Strich bleibt damit ein seltsames Fazit: Die ARD liefert starke Zahlen, aber das Netz diskutiert weniger über die Musik als über das Tempo und die Dramaturgie.
Und genau das könnte für die kommenden Jahre entscheidend sein: Quote top – aber wenn zu viele Zuschauer „gestreckt“ statt „gepackt“ fühlen, wird der Vorentscheid zwar gesehen, aber nicht geliebt.

