Hinter den glitzernden Kulissen der Schlagershows brodelt es gewaltig: Sängerin Natalie Holzner erhebt schwere Vorwürfe gegen TV-Formate und spricht über Mechanismen, die Fans oft gar nicht mitbekommen.
Wenn der Auftritt plötzlich platzt

Für das Publikum ist es oft eine große Enttäuschung: Ein Künstler wird für ein Konzert angekündigt, doch kurz vor der Veranstaltung folgt plötzlich die Absage. Hinter solchen kurzfristigen Änderungen kann eine besondere Regelung in den Verträgen der Musiker stecken.
Schlagerstar Natalie Holzner hat nun gegenüber „Schlager.de“ offen über diese Praxis gesprochen.
Sie kritisiert dabei vor allem die Situation, in die viele Künstler geraten können. Durch eine sogenannte Fernsehklausel ist es offenbar möglich, bereits vereinbarte Live-Auftritte zugunsten einer TV-Produktion wieder abzusagen.
Für Veranstalter und Fans kann das besonders ärgerlich sein. Schließlich wurden die Künstler häufig bereits angekündigt und stehen fest im Programm.
Natalie Holzner findet für das Vorgehen mancher Sender deutliche Worte und bezeichnet es als „fast eine Sauerei“.
Doch die Sängerin möchte die Verantwortung offenbar nicht bei den Musikern suchen.
Aus ihrer Sicht befinden sich viele Künstler in einer schwierigen Lage, in der sie kaum selbst entscheiden können.
Denn ein Fernsehauftritt kann für die weitere Karriere eine große Bedeutung haben.
Die Fernsehklausel kann Live-Auftritte verdrängen

Grundlage für die kurzfristigen Änderungen ist die sogenannte Fernsehklausel, die in vielen Verträgen von Künstlern verankert ist.
Sie kann dazu führen, dass ein bereits zugesagter Live-Auftritt gestrichen wird, wenn gleichzeitig eine wichtige TV-Produktion ansteht.
Für die betroffenen Musiker ist das offenbar keine einfache Entscheidung.
Natalie Holzner betont, dass Künstler aus ihrer Sicht nicht wirklich frei wählen können.
„Ich find‘ jetzt nicht, dass die Künstler da wirklich eine Wahl haben, weil jeder muss irgendwie auf sich schauen und schauen, dass er weiterkommt.“
Damit macht die Sängerin deutlich, wie wichtig Fernsehauftritte für Musiker sein können.
Gerade in einer Branche, in der große Unterhaltungssendungen seltener geworden sind, können Auftritte vor einem Millionenpublikum eine besondere Chance darstellen.
Für die Künstler entsteht dadurch ein schwieriger Spagat.
Auf der einen Seite stehen bereits zugesagte Konzerte und Verpflichtungen gegenüber Veranstaltern und Fans. Auf der anderen Seite lockt die Möglichkeit, sich einem großen Fernsehpublikum zu präsentieren.
Doch nach Ansicht von Natalie Holzner liegt das eigentliche Problem noch an einer anderen Stelle.
„Dass die dich so lange hinhalten“

Die Sängerin kritisiert vor allem, dass Entscheidungen von TV-Produktionen offenbar teilweise sehr lange offenbleiben.
Dadurch könne für Künstler eine besonders belastende Situation entstehen.
Natalie Holzner sagt:
„Es ist da eher \[…\] ein Problem von den Fernsehsendungen, dass die dich so lange hinhalten.“
Werden Zusagen für einen TV-Auftritt erst spät endgültig bestätigt, kann es passieren, dass Musiker zu diesem Zeitpunkt längst andere Termine angenommen haben.
Dann kommt es zum Konflikt.
Natalie Holzner kennt diesen Druck offenbar aus eigener Erfahrung. Bei ihr standen einmal die „Starnacht aus der Wachau“ und ein bereits vereinbarter Live-Auftritt am selben Tag im Kalender.
Die Situation sei für sie äußerst belastend gewesen.
„Das war der irre Stress für mich als Künstlerin“, erinnert sie sich.
Damit zeigt sich ein Problem, das für das Publikum meist unsichtbar bleibt.
Hinter einer kurzfristigen Absage steckt nicht zwangsläufig ein Künstler, der einfach einen anderen Termin bevorzugt.
Oft scheint es vielmehr um komplizierte vertragliche Regelungen und lange offene Entscheidungen zu gehen.
Wie gravierend die Folgen sein können, zeigte sich erst vor wenigen Wochen bei einer großen Schlagerveranstaltung.
Mehrere Stars sagten kurzfristig ab

Am 8. August kam es bei der „Schlagernacht der Stars“ in Wiesmoor zu genau einem solchen Problem.
Mehrere ursprünglich angekündigte Künstler standen kurzfristig nicht mehr für die Veranstaltung zur Verfügung.
Kerstin Ott, Vincent Gross und Tim Peters hatten ihre Teilnahme vorab abgesagt.
Der Grund: Sie sollten stattdessen in der zeitgleich aufgezeichneten „Giovanni Zarrella Show“ auftreten.
Für die Verantwortlichen der Veranstaltung bedeutete das eine schwierige Situation. Schließlich mussten die Absagen verarbeitet und das Programm entsprechend angepasst werden.
Auch für die Besucher dürfte die Änderung überraschend gewesen sein.
Der Fall zeigt, wie schnell eine Überschneidung zwischen einem großen Live-Event und einer bedeutenden TV-Produktion zu Problemen führen kann.
Für Veranstalter ist die Lage besonders kompliziert, wenn Künstler bereits fest eingeplant und öffentlich angekündigt wurden.
Doch die Situation scheint kein Einzelfall zu sein.
Veranstalter Dennis Athen von Mein Lieblings Event GmbH berichtet, dass es bereits zuvor ähnliche Schwierigkeiten gegeben habe.
Und auch diesmal machte er seinem Ärger öffentlich Luft.
Veranstalter Dennis Athen ist verärgert
Dennis Athen kritisierte gegenüber t-online die wiederkehrenden Konflikte mit TV-Produktionen deutlich.
Bereits im vergangenen Jahr habe es Probleme mit einer Terminüberschneidung gegeben.
Damals sei lediglich Vincent Gross betroffen gewesen. Um eine ähnliche Situation künftig zu vermeiden, habe man den Termin der Veranstaltung sogar angepasst.
Doch offenbar kam es trotzdem erneut zu Schwierigkeiten.
Athen sagte:
„Letztes Jahr war es nur Vincent Gross, dann sind wir extra ein Wochenende nach vorne gerutscht, um es zu vermeiden. Aber der liebe Zarrella meinte es noch besser mit uns dieses Mal.“
Seine Worte zeigen, wie frustrierend die Situation für Veranstalter sein kann.
Sie planen ihre Events häufig lange im Voraus, buchen Künstler und kündigen das Programm öffentlich an.
Kommt es anschließend zu kurzfristigen Änderungen, müssen nicht nur Ersatzlösungen gefunden werden. Auch die Erwartungen der Besucher spielen eine wichtige Rolle.
Warum TV-Auftritte für Künstler dennoch so attraktiv sind, erklärt unter anderem Schlagerstar Ella Endlich.
Sie verweist auf eine Entwicklung, die die gesamte Branche betrifft.
Denn die Zahl der großen Musikshows im Fernsehen scheint heute geringer zu sein als früher.
Warum die wenigen TV-Auftritte so begehrt sind

Ella Endlich erklärte gegenüber t-online, warum Fernsehauftritte in der Schlagerbranche einen besonders hohen Stellenwert haben können.
Nach ihrer Einschätzung gibt es heute weniger große Schlagersendungen als früher. Gleichzeitig würden die Budgets der Fernsehanstalten für Unterhaltung kleiner.
Dadurch werden die wenigen verfügbaren Auftrittsmöglichkeiten offenbar umso begehrter.
„Es gibt weniger Schlagershows als früher, die Budgets der Fernsehanstalten für den Bereich Unterhaltung werden kleiner und entsprechend begehrt sind die wenigen TV-Auftritte.“
Genau darin sieht Natalie Holzner offenbar einen wichtigen Grund für den enormen Druck auf die Künstler.
Wenn sich die Chance auf einen großen Fernsehauftritt bietet, steht für Musiker möglicherweise viel auf dem Spiel.
Die Sängerin macht deshalb deutlich, dass sie die Verantwortung nicht in erster Linie bei den Künstlern sieht.
Stattdessen kritisiert sie die langen Entscheidungsprozesse mancher TV-Produktionen und die schwierigen Situationen, die dadurch entstehen können.
Für Veranstalter bleiben kurzfristige Absagen dennoch ein großes Problem. Die Ereignisse in Wiesmoor zeigen, wie stark eine zeitgleiche TV-Produktion das Programm einer bereits geplanten Veranstaltung verändern kann.
Zwischen Live-Konzerten, vertraglichen Klauseln und den begehrten TV-Auftritten geraten die Schlagerstars damit offenbar immer wieder in einen schwierigen Spagat.

